Der Tod des letzten deutschen Schienenwerkes

Wenn ihr aus Duisburg kommt, kennt ihr vielleicht die hier ansässige TSTG. Wenn ihr sie nicht kennt oder aus anderen Städten kommt, stelle ich sie euch kurz vor:

 

Die TSTG besteht seit rund 120 Jahren und produziert Schienen. Genauer gesagt ist sie ein Schienenwalzwerk, besser gesagt Deutschlands einziges Schienenwalzwerk. Sie produziert hochwertige und im Vergleich zur Qualität günstige Schienen. Sie beschäftigt über 400 Menschen. Und gehört zu dem österreichischen Konzern Voestalpine.

 

Nun soll sie schließen und darf nicht verkauft werden!

 

Was bedeutet das für uns?

 

Nun zuerst einmal nicht viel. Solltet ihr zu den Menschen gehören, die mit Schienen sprechen, werden sie euch wohl leider nicht mehr verstehen. Die Schienen, über die Züge, Straßenbahnen und U-Bahnen fahren, werden nun ausländische sein. Das sollte uns eigentlich nicht stören, wo wir doch Rasierklingen aus amerikanischem Stahl und Steinkohle aus Russland und Übersee nutzen.

 

Doch es wird uns stören! Was ist mit der Qualität von „Made in Germany“? Es gehen Steuergelder verloren, wir müssen über 400 Menschen mit unseren Steuern unterstützen und die Preise für Schienen werden steigen. Was soll uns am letzten Punkt stören? Wenn die Preise für die Schienen in die Höhe gehen, werden sich die Abnehmer der Schienen diesen Preisen anpassen müssen. Das heißt, dass wir letztendlich mit höheren Preisen für Bahn- und Nahverkehrs-Tickets rechnen müssen.

 

Doch das Problem ist noch ein anderes!

 

Über 400 Arbeiter werden ihren Job verlieren und das in einer Stadt mit einer sehr hohen Arbeitslosenquote. Dazu kommt, dass die meisten längst über 50 Jahre alt sind, außerdem arbeiten sie entweder von Anfang an in diesem Beruf oder schon so lange das sie nun aus dem alten raus sind.

 

Was passiert nun?

 

Sie kämpfen! Sie kämpfen einen fast schon aussichtslosen Kampf. Man merkt an den Taten der Mitarbeiter, dass auch sie nicht mehr so recht an ein Wunder glauben. Wenn zum Beispiel ein Arbeiter sich freut, dass er eine Sonntagsschicht bekommen hat, die seine Abfindung erhöhen wird, zeugt das von Hoffnungslosigkeit. Sie setzten alle ihre Hoffnung auf die Politik und wurden bisher für ihre Treue nicht belohnt. Es wird der Botschafter Österreichs, dem Herkunftsland der Voestalpine, ins Auswärtige Amt einbestellt. Das wirkt nicht wie Stillstand, aber ein großartiger Fortschritt ist auch nicht erkennbar. Sie kämpfen! Sie kämpfen einen fast schon aussichtslosen Kampf. Aber sie kämpfen! Für sich, für ihre Familien, für ihre Kollegen, für ihr Recht auf Arbeit!

 

Sie machen Mahnwachen, laufen mit Fackeln durch die Nacht, machen vor dem Duisburger Hauptbahnhof auf sich und ihre Probleme aufmerksam, reisen nach Berlin und demonstrieren in Bonn vor dem Bundeskartellamt.

 

Es mag wenig erscheinen. Aber sie kämpfen! Für sich, für ihre Familien, für ihre Kollegen, für ihr Recht auf Arbeit! Und wir alle sollten sie dabei unterstützen!

Demo in Bonn vor dem Bundeskartellamt 05.07.2013   Foto by: Chris Hering
Demo in Bonn vor dem Bundeskartellamt 05.07.2013 Foto by: Chris Hering

Kommentar schreiben

Kommentare: 0