Der Liebesroman von Heute - Wer steht auf diese Weibchen?

Wir gehen in die Politik, ins Militär und zur Polizei. Wir führen Kriege, ob ihm Haushalt oder mit der Bundeswehr. Wir Frauen machen das. Nicht alle, aber manche. Wir sind selbstbewusst, stark und lassen uns von der Welt da draußen nicht unterkriegen. Doch eine Welt hat das noch nicht mit bekommen.


Ich gestehe, ich lese Liebesromane. Sie sind toll, um zu entspannen, man weiß ungefähr, wie es beginnen wird, wie der Mittelteil wird, zum Ende hin kommt ein wenig Drama, aber schlussendlich ist es wie in einem Disneyfilm. Alle haben sich lieb. Aber Himmel Herr Gott noch mal, wir sind nicht mehr das schwache Geschlecht. Wir brauchen die Männer nicht Tag und Nacht an unserer Seite, damit sie über uns wachen. Wir vergehen nicht vor Kummer, wenn sie einmal auf Geschäftsreise oder Ähnlichem sind (solange sie uns treu sind), nein wir genießen die Zeit ohne sie auch. Wir müssen nicht mehr vor der Welt da draußen beschützt werden, natürlich ist es schön in manchen Situationen jemanden an seiner Seite zu haben, aber wir sind nicht hilflos, wenn der Kerl mal nicht da ist.


Wir lassen uns nicht mehr alles gefallen. So ist es in der Realität. Es gibt alte Frauen, die einem Straßenräuber ihre Handtasche über den Schädel ziehen, Frauen, die Pfefferspray dabei haben. Wir brauchen die Helden aus den Liebesromanen nicht mehr. Wir brechen nicht in Tränen aus, weil uns ein Mann beleidigt, wir zweifeln deswegen nicht an uns. Glaubt ihr nicht? Fahrt ins Ruhrgebiet, sucht euch eine kleine Eckkneipe und beleidigt die Wirtin. SIE wird nicht in Tränen ausbrechen. Die Frage ist, ob ihr hinausgeht oder fliegt.


Wir hatten eine so schöne Entwicklung im Liebesroman. Die Frauen wurden stärker, sie waren nicht länger Sekretärin, Erzieherin oder Arzthelferin, sie fingen an Widerworte zu geben, ließen sich nicht länger alles gefallen. Und nun? Futsch. Wir fangen wieder an zu kuschen, zumindest im Roman. Wie kann es denn sein, dass der Liebesroman im 21. Jahrhundert teilweise rückständiger ist als im frühen 19. Jahrhundert? Nehmen wir doch einfach mal Stolz und Vorurteil als Gegenbeispiel. Die Protagonistin lebte in einer ganz anderen Zeit als wir heute, sie hatte nicht dieselben Möglichkeiten wie wir, und dennoch bewies sie einen eigenen Willen. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten gab sie Widerworte, lehnte zwei Anträge ab.


Und der Roman heute? Sie sieht ihn das erste Mal, verliebt sich und versucht ihm alles Recht zu machen. Ist ohne ihn nicht mehr lebensfähig und nicht als einzelnes Individuum erkennbar. Schöne neue Welt! Aber sind Frauen denn wirklich so?


Wir brauchen Hilfe vom männlichen Teil der Gesellschaft, durchaus, aber wir sind auch ohne sie noch als einzelne Person erkennbar.


Und da machen sich Mütter von 4-jährigen Sorgen, dass die klassischen Märchen ihre Mädchen zu sehr in eine Rolle drängen würden. Ich habe auch Märchen gelesen, ich fand sie toll. Und warte ich auf den Mann mit schimmernder Rüstung und weißen Pferd? Nein, wenn er einen Porsche hat, reicht das auch. Aber Spaß beiseite, ich bin nicht naiv geworden da durch, ich weiß, dass die meisten Männer mit Schimmel darunter kein Pferd verstehen, die Rüstung nur mit Glitzerspray besprüht ist und im nächsten Regen eh rostet. Mütter von 4-Jährigen machen sich verrückt wegen Märchen, lassen ihre 14-jährige Tochter aber Liebesromane lesen. Macht euch mal Gedanken drüber, welches Weltbild die vermitteln!


Wie seht ihr das? Ist der aktuelle Liebesroman frauenfeindlich oder völlig an der Wirklichkeit vorbei? Gerade auch an euch Männer, wie seht ihr das? Wünscht ihr euch solche Weibchen?

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Kommentare: 4
  • #1

    Silke (Mittwoch, 25 März 2015 23:56)

    Danke, Nicole, DANKE!
    Endlich wagt mal einer es auszusprechen.
    ICH liebe Romane, in denen die Frauen stark sind, den Männern in den Hintern treten und auch mal diejenigen sind, die zeigen wo es lang geht.
    Und kein Mann ist dann für mich das Weichei. Nein. WIR SIND GLEICHBERECHTIGT!!!! So einfach ist das - und wer meint, sich aus Liebe schlagen zu lassen, auch wenn er es nicht will, der kann ja gerne wieder zurück ins Mittelalter gehen - ich will es nicht.!
    Also, liebe Autoren - bitte, bitte gestaltet eure Frauen realistisch - es gibt starke und schwache Frauen, aber sie sollten bitte nicht vollkommen verblödet sein. Wenn sie schwach sind, dann liefert die Erklärung, warum!
    Danke, Nicole!
    Liebe Grüße, Silke

  • #2

    Mara Laue (Donnerstag, 26 März 2015 02:07)

    Ein wunderbarer Artikel, dem ich aus vollem Herzen zustimme!!!

    Jedoch ... Als Autorin muss ich sagen, dass es Verlage gibt, die eben dieses überkommene Klischee vorschreiben. Ich habe schon zu hören bekommen, ich solle doch bitte meine Heldin etwas weniger stark gestalten, weil sie sonst die Leserinnen (!) "abschrecken" würde, die sich mit so einer Heldin (angeblich) nicht identifizieren könnten. Ganz falsch scheint das wohl nicht zu sein, denn meine starken und in ihren Stärken realistisch (!) geschilderten Heldinnen stoßen oft auf harsche Kritik - von FRAUEN, die meinen, die seien in dem, was sie können und leisten, unglaubhaft. Dabei haben alle meine Heldinnen real existierende und oft mir persönlich bekannte Vorbilder, sind also keineswegs völlig fiktiv.
    Inzwischen habe ich aber Verlegerinnen und Verleger gefunden, die diesen Klischees nicht (mehr) anhängen und bei denen ich meine Heldinnen (und die Helden natürlich auch) so beschreiben kann, wie sie mir gefallen: realistische Menschen von heute mit einer persönlichen Entwicklungsgeschichte, die sie zu dem gemacht hat, was und wie sie in "ihrer" Geschichte sind.

    Nebenbei: Ich habe angefangen zu schreiben, weil ich schon als Kind die Klischees in den Kinderbüchern nicht mehr ertragen konnte, in denen die Jungs/Männer die Abenteuer erlebten und die Mädchen/Frauen nur das schmückende Beiwerk, das Heimchen am Herd oder der dauerheulende Klotz am Bein des Helden waren. Ich wollte starke Heldinnen, denn das waren die realen Frauen in meiner Umgebung allesamt auf die eine und andere Weise auch.

  • #3

    Ela van de Maan (Sonntag, 29 März 2015 14:55)

    Da muss ich dir wirklich recht geben, ;-) Und ich werds mir hinter die Ohren schreiben. Keine "armen Hascherl" in meinen Romanen. Ich hab mich als Kind im Fasching, ab dem Zeitpunkt, als ich meinen Willen endlich deutlich kundtun konnte, ja auch nur noch als die weiblichen Versionen von Piraten und Wegelagerern verkleidet und mich nicht mit einem Krönchen bewaffnet. Na ja, manchmal war ich auch eine Hexe, aber die fällt ja auch nicht unter lebensunfähig ohne Ritter ;-)
    Viele Grüße Ela

  • #4

    Katja Fischer (Dienstag, 31 März 2015 15:59)

    Oh mein Gott. Feministinnen dieser Welt vereinigt euch. Uns wird noch heute ein verklärtes Liebesbild aus den 50ern gezeigt, was absolut unrealistisch ist. Liebe als Mittel gegen alles.
    Natürlich ist es die tollste Erfahrung überhaupt. Aber eine Frau muss nicht so sein. Wir sind nicht abhängig, auch wenn wir uns vlt nach Nähe sehnen. Aber viele Frauen müssen heute auch dem Mann begreiflich machen, dass sie maximal Sex wollen.
    Deshalb sehe ich die Entwicklung jeden Roman mit einer Liebesgeschichte zu verunstalten sehr kritisch. Besonders Horror- und Fantasybücher können gerade ohne dem echt gut sein. Tropfende Kitschgeschichten machen mich wahnsinnig.