Adventskolumne - 3. Advent


Ein wenig spät heute, aber sie kommt. Und keine langen Vorreden, mir ist kalt und ich hab hunger, da wollt ihr mich nicht erleben.


Kolumne

Eigentlich wollte ich euch diese Woche von Weihnachtsgeschenken berichten, die ihres gleichen suchen – und zwar im negativen Sinne. Ich setzte mich mit Mama zusammen und überlegte, was so die Klassiker der letzten Jahre waren und urplötzlich befanden wir uns in einer Diskussion über Weihnachten generell. Deshalb das heutige Thema meiner Kolumne:

 

Was alles schiefgehen kann und worauf ihr achten solltet!

 

Heiligabend, der Christbaum ist festlich geschmückt und leuchtet verheißungsvoll, der Kamin verströmt eine angenehme Wärme und aus der Küche duftet die Weihnachtsgans, dass euch das Wasser im Mund zusammenläuft. Das will uns das Fernsehen immer wieder als das perfekte Weihnachten verkaufen, dumm nur, dass so gut wie kein Weihnachten perfekt ist. Letztlich geht immer etwas schief.

 

Zwei Tage vor Heiligabend, der Tannenbaum wird aus seiner Übergangsbehausung – dem Pappkarton im Keller – geholt, ihr stellt ihn auf, biegt den ersten ›Ast‹ zurecht und merkt, wie schwer das dieses Jahr geht, als ihr fertig seit ist das ganze Ding krumm und schief. Auf den letzten Drücker geht ihr zum Händler um einen echten Baum zu kaufen, der letzte, den ihr ergattern könnt, ist ein besserer Besenstiel mit ein paar Nadeln. Ihr habt doch noch den perfekten Baum ergattert, voll von Nadeln, perfekt gewachsen, nicht krumm oder zu hoch (im Ernst, gibt es eigentlich gerade Weihnachtsbäume?) und ihr beschließt dieses Jahr doch keine echten Kerzen zu nehmen sondern die Lichterketten rauszuholen. Sind alle Birnen in Ordnung, funktioniert die Kette wirklich? Oder wollt ihr Kerzen an den Baum machen? Habt ihr genug Kerzen? Habt ihr noch genug Halter? Nein? Typische Weihnachten. Oh ihr habt Glück gehabt, alles glattgelaufen bisher? Tja, sind die Kugeln noch ganz, oder haben eure Kinder die in die Finger bekommen? Alle Haken noch da wo sie letztes Jahr waren? You see, there is the problem.

 

Aber es geht noch weiter, es können so viele Probleme lauern. Die Best-of aus meinem Freundeskreis und der Familie:

 

• Stromausfall und dadurch mit dem kleinen Zeh einen massiven Schrank geknutscht

• Weihnachtskugeln kaputtgegangen und Lichterkette durchgebrannt

• Weihnachtsbraten auf den Boden gefallen

• Einen Tag vor dem Einkauf das Rezept gesucht und nicht gefunden

• Papa Einkaufszettel geschrieben und das falsche bekommen

• Gäste mit schlechtem Benehmen

• Knochige, trockene Weihnachtsgans, wo die Soße mehr nach Gans schmeckte als das Federvieh selbst

 

Ihr solltet euch vor Weihnachten nur eine Frage stellen: Was wollt ihr wirklich?

 

Wollt ihr Bilderbuchweihnachten, die es sowieso selten gibt? Wollt ihr ein gezwungenes Miteinander in festlichen Outfits? Oder wollt ihr Weihnachten so verbringen, wie es EUCH gefällt? Denn offengesagt, ich habe in den letzten Jahren so viel erlebt an Weihnachten, dass ich für mich rausgefunden habe, auf was es für mich ankommt. Die richtigen Leute.

 

Ich hatte schon Gäste zu Weihnachten, die fragten dann beim Essen, ob noch einer möchte und nahmen sich trotz Bestätigung den kompletten Rest unter Zugabe einer dämlichen Bemerkung. Ich erlebte Weihnachtskarten, die nicht unterschrieben waren und nicht zugeklebt – die waren so jungfräulich, dass Mama im nächsten Jahr auf die Idee kam, sie zu unterschreiben und dem Schenker zurück zu schenken, sie tat es aber nicht, leider. Papa schenkte man zu Weihnachten eine iTunes-Karte im Wert von 15€ – und ja, ich sagte, es kommt nicht auf den Wert an, aber um den geht es auch nicht –, das lustige an der Sache? Papa hatte kein iTunes, kein Applegerät, nada. Die Karten waren im Angebot. Oder Rüsseltassen, eine Packung Paniermehl als 1000-Teile Puzzle… Schlechte Geschenke gibt es viele. Verzichtet doch auf Menschen, die Schenken um des Schenkens Willen und erfreut euch an den Menschen die euch Dinge schenken die ihr wirklich wollt oder es einfach lassen.

 

Ich habe gelernt, dass es an Weihnachten hilft auf die ganzen Konventionen zu pfeifen und Weihnachten so zu verbringen wie man es möchte. In meinem Fall heißt das, mit Freunden und Familie.

 

Warum ich euch diesen ellenlangen Vortrag halte?

 

Ich glaube, ich möchte einfach, dass ihr nicht dieselben Fehler macht wie ich. Ein perfektes Weihnachten gibt es nicht. Erspart euch den Stress und die Falten und genießt die Zeit, denn – und das habe ich dieses Jahr schmerzlich gelernt – jedes Weihnachten kann das letzte sein.

Geschenketipp

Bei Geschenken gibt es für mich drei goldene Regeln:

1. Verschenke keine Bücher! Das geht meistens in die Hose, zumindest wenn du nicht zu 99,9999% weißt, was derjenige besonders gerne liest und ob er das Buch schon hat.

2. Wenn du dennoch vor dem Buch stehst und sagst, dem Soundso WIRD das gefallen, mach es trotz Regel 1. Am Ende fragst du dich nur, ob das Buch nicht die bessere Wahl gewesen wäre.

3. Schenke nicht um des Schenkens Willen! Wenn du weißt, demjenigen gefällt das, schenk es ihm, aber schenke nicht, weil es sich so gehört!

 

An dieser Stelle wollte ich euch mehr oder weniger ernst gemeinte Tipps für die Familie geben, aber danach ist mir so gar nicht mehr. Stattdessen ziehe ich den Tipp für nächste Woche vor, da ist es eh schon verdammt knapp um Weihnachtsgeschenke zu Kaufen.

 

Ihr habt nicht viel Geld? Ihr wisst nicht, was sich der andere wünscht? Dann schenkt ihm Zeit. Zeit mit euch oder Zeit für sich. Ein einfaches Blatt Papier, ein schöner Stift und eine gute Handschrift schon seid ihr fertig. Im Ernst, mehr braucht es nicht. Ihr könnt demjenigen einen Spaziergang im Park schenken, eine Stunde gemeinsam an der Konsole zocken, oder eine Stunde lesen. In der heutigen Zeit hat niemand mehr genug Ruhe und Zeit sich auszuruhen. Für mich ist Zeit das schönste Geschenk, denn wenn es einmal mit euch zu Ende geht, erinnert ihr euch nicht mehr an das Konsolenspiel, das ihr bekamt, sondern an die Zeit, die ihr mit eurer besten Freundin beim durchspielen des Spieles verbracht habt. Im Nachhinein hätte ich gerne wesentlich mehr Zeit gehabt um sie mit meinem Vater zu verbringen, deshalb verschenkt Zeit und nutzt sie weise, niemand weiß, wie lange einem oder dem Anderen bleibt.

Musik

Gibet dies ma nicht. Hab leider die Woche über keine Musik gehört.

Humor

Der Witz fällt heute aus. Im Ernst, auch mir gelingt es nicht immer lustig zu sein. Ich sprach mal von guten und schlechten Tagen in der Trauer um Papa. Gerade ist kein guter, mir gelingt es nicht fröhlich zu sein, ich will auch nicht, dass es mir gelingt.

 

Ich hoffe, ihr verzeiht mir das.